Das Graffiti

Das Graffiti – Name, Entstehung  und Hip Hop

Alle kennen es, alle haben es bereits schon einmal gesehen, einige können es nicht mehr sehen und andere bekommen nicht genug davon: Die Rede ist von Hip Hop und Graffiti.

Graffiti kommt aus dem Lateinischen, ist die Pluralform von Graffito und bedeutet soviel wie Kratzbild. Schon die ersten Höhlenmalereien gehören somit laut Definition zu dieser künstlerischen Ausdrucksform.

 
Martha Cooper über die Anfänge von Hip Hop - Graffiti

Die modernen Graffiti entstanden mit den Anfängen des HipHop im New York der 70er Jahre. Der erste bekannte Writer “Graffiti Sprüher” war ein New Yorker Pizzajunge, der sich den Namen Taki 183 ausdachte und diesen an von ihm belieferten Häuserblocks, mit dünnen Filzern geschrieben („writing“), hinterließ. Für diese Aktion ging der gute Mann allerdings nicht ins Gefängnis, sondern in eine Psychiatrische Anstalt, da sich damals niemand erklären konnte wieso diese Person so etwas tut (das weiß man übrigens heute noch nicht so genau). Nun ging es im Grunde mit Graffiti mit großen Schritten weiter: Viele Leute kopierten Taki und gaben sich ebenfalls (Künstler-) Namen (sogenannte Tags [sprich täg]), nahmen dickere Filzer, entdeckten die Sprühdose und die dazugehörigen unterschiedlichen Sprühkappen. Irgend jemand kam dann mal auf die Idee, Züge zu besprühen, da sie als fahrende Leinwände einem größeren Publikum zugänglich sind. Da es in New York zu der Zeit eine Vielzahl von unbewachten Yards (Zugabstellplätze) gab, blühte diese Art von Graffiti nur so auf. Heute ist das Mitführen von Spühdosen in New York verboten und die Züge werden mindestens einmal täglich gereinigt.

Nicht nur das Graffiti sondern die ganze Subkultur des Hip Hop (dazu gehört noch der Breakdance sowie das Djing [Platen auflegen]) kam am Anfang der 80er mit zwei Filmen nach Europa: „BeatStreet“ und „Wildstyle“. Diese Filme dokumentierten das Leben in den Ghettos New York sowie die zu größten Teilen dort entstandene Musikkultur HipHop. Der Startschuss für Graffiti in Europa war hiermit gefallen und so begann man hier die Filme nachzuleben.
Die europäische Hip Hop Kultur verselbstständigte sich und fing an, sich selber zu entwickeln. Der Graffitistil wurde härter und auch zu gewissen Neuentwicklungen, wie dem 3-D-Stil, kamen große Beiträge aus Europa.
Auch in der ehemaligen DDR liefen diese Filme im Kino und auch hier regte es sich zaghaft. Breakdance wurde als eine Jugendsportform staatlich gefördert und lediglich das Graffiti wollte nicht so richtig Fuß fassen. Das lag allerdings an den relativ minderwertigen und kaum vorhandenen ostdeutschen Sprühlacken. Mit dem Wegfall der Mauer änderte sich dieser Zustand schlagartig und der Weg für Graffiti war geebnet. Die hier ansässigen Sprüher lernten schnell und bereits ´93-´94 hatte man den damaligen allgemeinen Standard erreicht.
Im Augenblick ist außerdem eine Tendenz zu immer jüngeren und, für ihr Alter, immer besser werdenden Sprühern erkennbar. Sie müssen nicht mehr durch die Welt reisen, um sich Graffitis anzuschauen und durch sie zu lernen, sondern besorgen sich die neueste Ausgabe der „Backspin“ oder anderer Graffitizeitschriften und lernen durch diese.

Natürlich existieren verschiedene Formen von Graffiti und im folgenden sollen einige von ihnen etwas näher beschrieben werden.

Das Tag
Diese Urform der Graffiti ist wie bereits oben beschrieben, lediglich der Künstlername des Sprühers. Der Name an sich hat meistens keine Bedeutung und entstammt nur selten einer bestimmten Sprache. Dieser Name wird wie bei einer ganz normalen Unterschrift stark verschnörkelt und unterscheidet sich zu dieser nur durch seine Größe und die Orte an denen es angebracht wird. Das Tag gilt als schnellste Form der Graffiti (da diese meist illegal angebracht werden ein wichtiger Punkt) und wird, um das zu erreichen, oft in einem Strich durchgezogen. Diese Form von Graffiti wird meistens mit einem Edding und seltener mit der Dose angebracht.

Das Throw-Up
Große Flächenbemalung und Unsauberkeit zeichnen diese Graffitiform aus, deren Ziel es ist, den Namen mit möglichst wenig Mitteln größtmöglich an die Wand zu bringen. Aus diesem Grund werden die Wörter meist nur grob umrissen und anschließend genauso grob ausgefüllt. Eine Sprühdose reicht somit für 2 bis 3 Throw-Ups. Genauso wie die Tags wird diese Form der Graffiti von der Allgemeinheit als Schmiererei aufgefasst.

Der Character
eingeführt. Hierbei handelt es sich um Figuren die nur selten alleinstehend und meistens als Beiwerk eines Styles (Wort) zu finden sind. Auch sie durchlebten eine gewisse Entwicklung und so findet man heute eine Vielzahl verschiedener Arten. So gibt es zum Beispiel sogenannte Old School Character die, wie der Name schon sagt, im alten Graffiti-Stil gemalt worden sind. Sie sind in ihrer Form sehr einfach und abstrakt, enthalten Licht und Schatten nur sehr sporadisch und können in der Nähe der Comicfiguren angesiedelt werden. Auf der anderen Seite werden mit der Dose wahre Kunstwerke vollbracht: Zwar sind die Fantasiefiguren immer noch ausgedacht, aber dafür so detailgetreu (falls man davon sprechen kann), dass man von ihnen aus der Wand heraus angesprungen wird. Außerdem gibt es noch den Fotorealismus, bei dem versucht wird, so nah wie möglich an das natürliche Abbild heranzukommen. Meistgenutzte Motive sind hier Menschengesichter und Tiere.

Viel wichtiger als alles andere ist allerdings die Frage nach der rechtlichen Seite. Graffiti an sich ist nicht strafbar, lediglich der Tatbestand der Sachbeschädigung. Dieser Tatbestand wird durch das vom Besitzer unerwünschte Verändern der Bausubstanz erreicht. Dazu zählt unter anderem das Anbringen von Sprühlacken. Diese bleiben nicht, wie es viele denken, nur an der Oberfläche, sondern ziehen bis zu 10cm in diese ein. Dadurch ist eine restlose Beseitigung der Lacke nur selten möglich. Der Tatbestand der Sachbeschädigung kann mit bis zu 5 Jahren Gefängnis geahndet werden. Dies kam in Deutschland im Zusammenhang mit Graffiti aber erst sehr selten vor. Viel schlimmer sind für die meisten jugendlichen Täter die sehr hohen Reinigungskosten, die sie begleichen müssen. Die Deutsche Bahn beziffert die jährlichen Schäden durch Graffiti auf mehrere Millionen €.

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Rechtliches

§ 304 Gemeinschädliche Sachbeschädigung
(1) Wer rechtswidrig Gegenstände der Verehrung einer im Staat bestehenden Religionsgesellschaft oder Sachen, die dem Gottesdienst gewidmet sind, oder Grabmäler, öffentliche Denkmäler, Naturdenkmäler, Gegenstände der Kunst, der Wissenschaft oder des Gewerbes, welche in öffentlichen Sammlungen aufbewahrt werden oder öffentlich aufgestellt sind, oder Gegenstände, welche zum öffentlichen Nutzen oder zur Verschönerung öffentlicher Wege, Plätze oder Anlagen dienen, beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer unbefugt das Erscheinungsbild einer in Absatz 1 bezeichneten Sache oder eines dort bezeichneten Gegenstandes nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert.
(3) Der Versuch ist strafbar.

Quelle: http://dejure.org/gesetze/StGB/304.html